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Ein Brief

 

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Dr. Wolfgang Klein

                   Ein Brief

Zu Ihrer Frage nach einem Tagebuch: Ein solches habe ich nie geführt. Viele Einzelheiten meines Lebenslaufs haben sich mir so tief eingeprägt daß sie unvergeßlich sind. Etliches habe ich notiert und/oder in Stellungnahmen an anderer Stelle, als meiner Internetseite, dokumentiert. Eine Bersonderheit möchte ich noch benennen: Nach kriegsbedingter Abwesenheit konnte ich im Januar 1946 aus der Britischen Besatzungszone Deutschlands legal nach Berlin zurückkehren, weil meine Heimat, der Bezirk Spandau, im damaligen britischen Sektor, also in West-Berlin lag. Als Westberliner hatten wir bis zum Mauerbau im August 1961, also 15 Jahre lang die Möglichkeit, den sogenannten Ostsektor Berlins und die sowjetische Besatzungszone Deutschlands zu betreten !!, ein einzigartiger Beobachterstandort, wie es ihn nur in Berlin und an keiner anderen Stelle Deutschlands gab. Wie die meisten Westberliner hatte auch ich Verwandte, Bekannte und Freunde meiner Eltern in Ostberlin und der sowjetischern Besatzungszone. Hinzu kam, von 1949 bis 1955, während meines gesamten Medizinstudiums an der Freien Universität Berlin der relativ enge Kontakt zu den zahlreichen Kommilitoninnen und Kommilitonen aus dem sowjetischen Besatzungsbereich, die in diesem nicht studieren durften, insgesamt ein politischer Anschauungsunterricht, wie es seinesgleichen kein zweites Mal, weder in Deutschland noch sonst irgendwo auf der Welt, gab. Für mich war dieser Anschauungsunterricht Anlaß, mich bereits ab 1946 intensiv mit dem dialektischen und historischen Materialismus = Marxismus zu beschäftigen und  auseinanderzusetzen. Wichtige Quellen dafür waren neben etlichen anderen das Manifest der Kommunistischen Partei von Marx und Engels (in dem meine Notizen von damals z.T. so verblichen sind, daß man sie nicht mehr lesen kann) und das zweibändige Werk “Sowjetideologie heute” von Gustav A. Wetter und Wolfgang Leonhard (Fischer Bücherei Bd.460 und 461). 

Nun könnte man meinen, Sowjetideologie sei nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht mehr von Interesse. Zunächst ist festzustellen, daß es wegen Fehlens der Sowjetunion  eine Sowjetideologie natürlich nicht mehr geben kann, das Denkgebäude des dialektischen und historischen Materialismus aber unverändert - nunmehr wieder unter seiner ursprünglichen Bezeichnung - weiter besteht. Die Hoffnung, der auch ich erlegen war, der Zusammenbruch des Ostblocks als drastische de facto-Beweisführung für Unrichtigkeit und daraus folgende Unfähigkeit des Marxismus und die nach derzeitigem Wissensstand 100 Millionen Menschen, die weltweit im Namen des politisch organisierten Materialismus umgebracht wurden, würde das Thema Marx und seiner Epigonen ein für allemal erledigen, hat sich als trügerisch erwiesen.

Die Faszination dieser Philosophie, die behauptet, streng wissenschaftlich zu sein, eine lückenlose, alles Sein und alle Vorgänge in diesem Sein erklären, aus diesem Wissen die weitere Entwicklung vorhersagen zu können und zudem einen absoluten Unfehlbarkeitsanspruch erhebt, allen Gegnern die Fähigkeit, wahre Erkenntnisse zu gewinnen, abspricht, ist nach meiner Einschätzung nicht gebrochen. Das oft primitive Kausalitätsbedürfnis der Menschen kommt dem sicher sehr entgegen. Unkenntnis ebenso. Die verbindende Kraft dieser Faszination und die daraus resultierenden politischen Möglichkeiten werden verhängnisvoll unterschätzt. Mit der Unkenntnis hat es überdies eine besondere Bewandnis. Man trifft immer wieder auf von Zeitgenossen geäußerte Gedanken, Meinungen, Äußerungen, deren marxistische Herkunft von den Lesern, Hörern, Zuschauern und "Glotzern"  aus Unkenntnis nicht erkannt wird. Geradezu grotesk ist, daß nicht selten die Urheber solcher Gedanken, Meinungen und  Äußerungen selbst um den marxistischen Ursprung ihrer eigenen, in der Regel nachgeplapperten   Geistesprodukte aus ebensolcher Unkenntnis nicht wissen. So wird denn Marx unwissend weitergereicht und unwissend übernommen. Diese weit bis in die "höchsten Etagen" unserer Politik und  Gesellschaft verbreitete Unwissenheit ist im übrigen gegebene Voraussetzung für Manipulation durch marxistisch Geschulte, von der nach meiner am Beispiel gewonnenen Überzeugung reichlich Gebrauch gemacht wird. Für den in Sachen Marxismus nicht ganz unbedarften Zeitgenossen ist dies anhand der politisch-taktischen Lehren des DiaMat verhältnismäßig leicht durchschaubar. Ansonsten halte ich es auch in dieser Sache mit Popper: Wenn eine einzige Voraussetzung einer Therorie sich als unrichtig erweist, ist die ganze Theorie zu verwerfen oder - sofern möglich - neu zu konzipieren. Der Erweis solcher Unrichtigkeit(en !!!) ist längst da. Die geistige Auseinandersetzung im Sinne der Popperschen Forderung unterbleibt. Im Hebräerbrief Kapitel 12 Vers 15 kann man lesen: ".......sehet darauf,........daß nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse und Unfrieden anrichte und viele durch dieselbe verunreinigt werden, .........".  Ich halte den DiaMat für eine solche "bittere Wurzel" und stimme auch der Auffassung zu, der Materialismus Marxscher Prägung und die Psychoanalyse seien die beiden großen geistigen Katastrophen des 19. und 20. Jahrhunderts (Urheber dieser Aussage ist mir leider entfallen). Daß es auch in Deutschland heute noch oder wieder politische Kräfte gibt, die anstreben, marxistische Vorstellungen politisch zu realisieren, habe ich ausführlich in meiner Internetseite unter dem Titel “Abenteuerliche Hysterie” dargestellt.

Mit dem Suchwort “Postsowjetischer Marxismus” findet sich in Wikiperia ein Artikel, aus dem zu schließen ist, daß es in Rußland einen  postsowjetischen Marxismus gibt, der die Rehabilitierung und Anwendung der materialistisch-dialektischen Methode verfolgt.

Der jetzige Staatspräsident Wladimir Putin absolvierte zunächst ein Jura-Studium an der Universität Leningrad. Von 1975 bis 1982 war er KGB-Offizier in der ersten Hauptabteilung (Auslandsspionage). Zu seinen frühen KGB-Pflichten zählte auch das Unterdrücken von Dissidenten-Tätigkeiten in seiner Heimatstadt. 1984 bis 1985 besuchte er die KGB-Hochschule in Moskau. Putin war ab 1985 in der DDR, hauptsächlich in Dresden, in nachgeordneter Funktion tätig, wo er seine Deutschkenntnisse vertiefte. Er avancierte vom Rang eines Hauptmanns zum Major. Seine Tätigkeit in der DDR umfasste Personalgewinnung, Ausbildung in Drahtloser Kommunikation und die Überwachung von Besuchergruppen des in Dresden ansässigen Kombinats Robotron. 1989 hatte Putin den Dienstgrad eines Oberstleutnants, was auf eine Dienststellung als stellvertretender Abteilungsleiter in der KGB-Residentur hindeutet. Nach Angaben der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der Deutschen Demokratischen Republik versuchte er im Jahre 1990, einen Spionagering aus ehemaligen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit aufzubauen. Da aber die von Putin ausgewählte Zentralfigur zum Verfassungsschutz überlief, flog der Ring bald auf (Quelle: Wikipedia, Suchwort Putin).

Das heutige Rußland wird in der öffentlichen Erörterung unter anderem als gelenkte oder Präsidialdemokratie bezeichnet. Mit der Wortwahl wird auf  demokratische Defizite hingewiesen. Zwar wird in Rußland gewählt, ansonsten aber fehlt fast alles, was zu einer Demokratie im Sinne Solons (wahrscheinlich 640 bis 560 v. Chr.), des Urhebers der Gewaltenteilung, der Teilung der staatlichen Gewalten mit gegenseitiger Kontrolle und Überwachung, gehört, wie sie in der solonischen Gersetzgebung für Athen  konzipert worden ist.

Sehr geehrter N.N., Sie äußerten, eine vollständige oder absolute Demokratie gäbe es nirgends auf der Welt. Das ist sicher richtig. Aber die parlamentarische Demokratie westlicher Prägung ist nach Churchill das kleinste Übel unter allen ausprobierten Staatsformen. Dieser Aussage stimme ich vorbehaltlos zu, auch wenn ich gegenüber Winston Churchill, der wahrscheinlich Alkoholiker war, einige Vorbehalte hege. Um keine Zweifel darüber aufkommen zu lassen, was mit “Parlamentarischer Demokratie westlicher Prägung” gemeint ist: Eine Staatsform, in der die gesetzgebende Körperschaft aus wirklich freien und geheimen Wahlen hervorgeht, die aus den jeweiligen Mehrheitsverhältnissen im Parlament resultierende Regierung vom Parlament kontrolliert wird, die Justiz als unabhängige dritte Gewalt die Einhaltung der Gesetze und der Verfassung auch durch Parlament und Regierung überwacht, alle Bürger vor dem Gesetz und der Verfassung gleich sind, eine freie Presse keiner Zensur unterliegt und uneingeschränkte Meinungsfreiheit herrscht. Hinsichtlich des Vorliegens dieser staatsrechtlichen Grundpfeiler im heutigen Rußland hege ich erhebliche Zweifel.

Ich bin mir darüber im Klaren, daß auch in einer Parlamentarischen Demokratie immer wieder Unrecht geschehen wird wie überall, wo Menschen am Werk sind. Aber, das rechtfertigt meines Erachtens nicht die Verharmlosung demokratischer Defizite, wie sie im heutigen Rußland und vielfach anderen Ortes vorliegen.

Nach der Hamburger Arbeitsgemerinschaft für Kriegsursachenforschung hat es nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges allein bis 1997 weltweit 201 Kriege gegeben. Die Notwendigkeit von Friedensbemühungen ist angesichts dieses Sachverhalts offensichtllch und unstrittig. Aber was sind  Friedensbemühungen ?

“Si vis pacem para bellum” ist ein lateinisches Sprichwort. Wörtlich übersetzt lautet es: “Wenn du (den) Frieden willst, bereite (den) Krieg vor.” (Im Deutschen sind Übersetzungen mit oder ohne Artikel möglich.) Andere Übersetzungsversionen sind: “Wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg.” oder “Wer den Frieden sucht, bereite den Krieg (vor).” Alle Varianten des Sprichworts leiten sich sowohl vom Sinn als auch vom Wortlaut her von dem Spruch "Si vis pacem para bellum" ab. Es handelt sich um die Quintessenz der 7. Philippica, einer nach allen Regeln der Rhetorik gehaltenen Grundsatzrede von Marcus Tullius Cicero Mitte Januar 43 v. Chr. vor dem römischen Senat. Darin stellt er sich zunächst als Anwalt des Friedens vor. Anschließend legt er dar, warum ein Friede mit Marcus Antonius erstens schimpflich, zweitens gefährlich und drittens unmöglich sei. Die Grundidee findet sich schon bei Platon (Nomoi / Gesetze VIII); außerdem kommt sie bei Ciceros Zeitgenossen Cornelius Nepos vor (Epaminondas 5, 4). Am nächsten kommt dem Satz der römische Militärschriftsteller Flavius Vegetius Renatus (um 400 n. Chr.) im Vorwort zu Buch III seines De re militari (Quelle: Wikipedia, Suchwort “Si vis pacem”).

Ich würde Ciceros Satz heute übersetzen mit: Wer wünscht, daß der Friede erhalten bleibe, schaffe ausreichende und deshalb abschreckende Bereitschaft zur Selbstverteidigung. Denn: Welcher Strolch versucht, einem trainierten Boxer oder Judoka die Brieftasche zu klauen, wenn er weiß, daß das Opfer ein trainierter Boxer oder Judoka ist ?

“Und so die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Streite rüsten ?” Dieses Zitat aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther ist der Titel eines 1960 erschienenen Buches von General Maxwell D. Taylor, der 1949 zum Stabschef der US-Streitkräfte in Europa befördert wurde, zwischen 1949 und 1951 Kommandant des US-Sektors und der Alliierten Truppen in Berlin und ab 1951 Stellvertretender Generalstabschef des Heeres war. Taylors Buch war/ist eine eindringliche Warnung davor, konventionelle Rüstung zu vernachlässigen, weil angesichts des atomaren Patts zwischen Ost und West Kriege der bisherigen Art nicht mehr möglich seien, denn ein Atomwaffenkrieg vernichtete den Angegriffenen und den Angreifer gleichermaßen. Niemand würde deshalb einen Atomkrieg vom Zaune brechen. Gerade deshalb aber seien mit konventionellen Waffen geführte Kriege wieder eine Option. Wie Recht er damit hatte, zeigt die oben zitierte Statistik der Hamburger Arbeitsgemeinschaft für Kriegsursachenforschung.

Ich überlasse es gern jedem Leser zu entscheiden , ob angesichts der Taylorschen Warnung die Reduktion der Mannschaftsstärke der Bundeswehr von 560.000 auf 180.000, die de facto-Abschaffung der Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland und der Verkauf wegen bei der jetzigen Mannschaftsstärke nicht mehr bedienbaren Gerätes zu Schrottpreisern Friedensbemühungen waren/sind.  

Ich fürchte, daß die Bundeswehr z. Zt. kaum in der Lage wäre, die Innere Sicherheit zu garantieren, wenn sie es denn dürfte. Von der Verteidigung der äußeren ganz zu schweigen. Die derzeitige Krise um das Flüchtlingsproblem verstärkt meine Befürchtung. Die vorsichtigen Andeutungen, stillgelegte Waffen wieder in Betrieb zu nehmen, erst recht.

Abschließend (obwohl sicher noch Vieles mehr zu sagen wäre) nochmals Winston Churchill: “Wer einen Fehler macht und nicht zugibt, begeht bereits den zweiten.

Mit vielen Grüßen und  Wünschen für Frieden und unser aller Wohlergehen

W. Klein         22.01.2016

 

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