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Präimplantationsdiagnostik

Dr. Wolfgang Klein


Zur Problematik der Präimplantationsdiagnostik (PID)

 

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien am 03.02.2011 ein Leserbrief (Autor Dr. Karl T. Friedhoff, Hannover) mit dem Titel: “Die PID betrifft noch nicht den Menschen”. In dem hieß es unter anderem:

"Die wieder und wieder von Juristen, Theologen und selbst von einigen Biomedizinern wiederholte Behauptung 'Das menschliche Leben beginnt mit der befruchteten Eizelle'  ist schlicht falsch. Die unbefruchtete Eizelle, ja jedes Spermium, ist menschliches Leben. Der Unterschied zwischen 'menschlichem Leben', wie es millionenfach in jeder Blutprobe, in jeder Kultur menschlicher Zellen enthalten ist, und 'Leben eines Menschen' ist entschei- dend, die Verwischung der beiden Begriffe unverzeihlich. Die befruchtete Eizelle ist kein Individuum, weil sie sich teilen und aus jeder der beiden Tochterzellen ein Mensch entstehen kann (eineiige Zwillinge). Auch im Vier- und Achtzellstadium kann aus jeder der vier oder acht Zellen ein Mensch entstehen. Diese frühen Stadien der Entwicklung sollte man der Klarheit halber als Pro-Embryo oder besser als präembryonale Stadien bezeichnen; sie sind kein Individuum. Erst ab der Nidation (Einnistung) kann man von einem Individuum sprechen. Präembryonale Stadien sind also keine Individuen und haben daher keinen personalen Charakter. Sie juristisch, theologisch oder ethisch so zu bewerten wie einen Menschen ist daher nicht logisch."

Kommentar:

Der sprachlichen Genauigkeit wegen ist es in diesem Zusammenhang sicher besser, statt von Beginn menschlichen Lebens vom Beginn des Lebens eines Menschen oder eines Menschenlebens zu sprechen.

Das Adjektiv individuus, a, um (lateinisch) heißt  "unteilbar". Ein Individuum ist die kleinste nicht mehr teilbare Einheit eines Stoffes oder einer Gattung, in unserem Fall ein Mensch. Leser Dr. Friedhoff argumentiert, die befruchtete Eizelle (Zygote) sei kein Individuum, also noch kein Mensch, weil sie sich teilen und aus ihr z.B. eineiige Zwillinge oder eine noch größere Anzahl menschlicher Individuen entstehen können. Es ist indessen unstrittig, daß die Zygote nicht nur den vollständigen (genetischen) Bauplan eines menschlichen Individuums enthält, insoweit ein Unikat ist, sondern auch die Fähigkeit zur Teilung hat, die ja Voraussetzung für die Entwicklung eines vollständigen (menschlichen) Organismus ist. Im Regelfall kommt es dabei nur zur Entwicklung eines Menschen, eines Indivuduums, dessen Dasein unbestreitbar mit der Zygote begonnen hat. Die Entstehung einer eineiigen Mehrlingsschwangerschaft ist eine Abweichung vom Regelfall. Naturphilosophisch betrachtet könnte man von einer Mißbildung sprechen. Die grundsätzliche und naturnotwendige Fähigkeit der Zygote zur Zellteilung taugt daher m.E. nicht als Argument gegen ihre Individualität. Aber selbst, wenn man in dieser Frage der Argumentation Leser Dr. Friedhoffs folgte, ergäbe sich ein anderes Dilemma: Stellt sich aufgrund eines durch PID gewonnenen Befundes die Frage, ob eine Zygote in die Gebärmutter einer Frau implantiert oder vernichtet werden soll und wüßte man gleichzeitig, daß nach Implantation eine Mehrlingsschwangerschaft resultierte, wäre die Vernichtung dieser Zygote nach der Argumentation Dr. Friedhoffs nicht die Tötung eines Menschen. Da man das aber eben gerade nicht weiß, ist seine Argumentation als Entscheidungshilfe unbrauchbar. Hinzu kommt, daß sich in der großen Mehrheit der Fälle aus der Zygote nur ein Mensch entwickelt, dessen individuelle Einheit sich erstmals in "seiner und nur in seiner" Zygote konkretisiert hat, die ein Unikat war und geblieben ist. Diese Erkenntnis liegt aber erst vor, wenn die Entwicklung einer eineiigen Mehrlingsschwangerschaft mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden kann, für die Beantwortung der aufgeworfenen Frage jedenfalls zu spät. Verwirft man wegen eines PID-Befundes ein im Reagenzglas gezeugtes  "Lebewesen", muß man - wie immer man es auch nennt -  davon ausgehen, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein "nicht mehr Teilbares", ein Individuum, ein  Menschenleben also, zum fast frühest möglichen Zeitpunkt beendet, also getötet zu haben.

Dr. med. Wolfgang Klein, Berlin                            12.02.2011

 

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