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Günter Grass / Waffen-SS

Dr. Wolfgang Klein

Günter Grass / Waffen-SS


Am 12.08.2006 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung  eine Meldung mit dem Titel “Günter Grass war Mitglied der Waffen-SS” und  in der gleichen Ausgabe den Leitartikel “Das Geständnis” von Frank Schirrmacher. Den nachfolgenden Text habe ich der  FAZ als Leserbrief zugesandt. Er wurde nach meinem Kenntnisstand nicht veröffentlicht.

Günter Grass war nicht Mitglied sondern Angehöriger der Waffen-SS. Mitgliedschaft etwa in Parteien oder Vereinen setzt die aktive Willensbekundung zum Beitritt voraus, was man von Angehörigen der Streitkräfte eines Landes nun keineswegs sagen kann. Die falsche Wortwahl ist sinnverfälschend und geeignet, falsche Schlußfolgerungen auszulösen.  Sprachliche Nachlässigkeit dieser Art sollten in einer Zeitung vom Niveau der FAZ nicht anzutreffen sein. Bei einem Boulevardblatt hätte ich den Verdacht auf Vorsatz in böser Absicht.

Wenn Angehörige der Jahrgänge 1927 und 1928 sich in den Jahren 1944 oder 1945 freiwillig zur Wehrmacht meldeten, hatte dies Einfluß allenfalls auf die gewählte Laufbahn (z.B. Reserveoffiziersbewerber), oft genug keinen auf die gewählte Waffengattung und ganz sicher nicht  auf den Einberufungstermin.  So ist Günter Grass ohne es zu wollen bei der Waffen-SS gelandet, wie viele andere auch. Seine freiwillige Meldung zur Wehrmacht ist insoweit ohne jede praktische Bedeutung. Ich würde aus eigener Kenntnis der Verhältnisse einem damals 17-jährigen die freiwillige Meldung selbst zur Waffen-SS heute nicht zum Vorwurf machen.

Daß die Bekanntgabe seiner Zugehörigkeit zur Waffen-SS in einem Buch, das sicher eine hohe Auflage erreichen wird, erst jetzt erfolgt, löst ebenso wie die von Grass vorgebrachten Begründungen seines damaligen wie jetzigen Verhaltens erhebliche Skepsis aus. Für wesentlich halte ich jedoch etwas ganz anderes:

1985 besuchten Bundeskanzler Kohl und Präsident Reagan gemeinsam einen Soldatenfriedhof in Bitburg, auf dem auch die sterblichen Überreste von 49 Angehörigen der Waffen-SS zur letzten Ruhe gebettet waren. 32 von ihnen waren an ihrem Todestag jünger als 25 Jahre. Der ehemalige Waffen-SS-Angehörige Günter Grass nannte diesen Besuch “eine Geschichtsklitterung, deren auf Medienwirkung bedachtes Kalkül Juden, Amerikaner, und Deutsche, alle Betroffenen gleichermaßen verletzte.” ** Neben der geschmacklosen Verunglimpfung der Toten ist das für mich in höchstem Maße intellektuell unredlich, verlogen und unentschuldbar oder aber Ausdruck eines hohen Mangels an Urteilskraft, nach Kant das, was man eigentlich Dummheit nennt. Alfred Nobel hat in seinem Testament verfügt, daß mit seinem Vermögen eine Stiftung gegründet werden sollte, deren Zinsen “als Preise denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben”.  Gehört Günter Grass wirklich zu jenen ?

W.K.

 

** Nachträgliche Quellenangabe für das Zitat: Frank Schirrmacher im o.g. Artikel der FAZ vom 12.08.2006).

 

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