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Unrecht kann nicht Recht sein

Dr. Wolfgang Klein

Unrecht kann nicht Recht sein


Der folgende Leserbrief wurde am 28.10.2004 in der FAZ veröffentlicht. Er ist die deutlich verkürzte Wiedergabe des eingesandten Manuskripts. Weiterhin wurde im veröffentlichten Text eine wesentliche redaktionelle Änderung vorgenommen: Der kursiv gedruckte Satz heißt im Manuskript vollständig: Der “Denkfehler" ist nichts anderes als der auf Dauer sicher untaugliche Versuch, sich am Eingeständnis schwerer Schuld auch bei den Siegermächten vorbeizumogeln. Der vollständigen Text des eingesandten Manuskripts findet sich in der Rubrik “Nicht veröffentlichte Leserbriefe” unter dem Titel “Unrecht kann nicht Recht sein” auf meiner Internetseite. Er ist teilidentisch mit der erweiterten Ausarbeitung “Unrecht zu Recht?” auf der so benannten Seite.

Unrecht kann nicht Recht sein

Der Brief von Leser Andreas Pesch “Kein Recht auf Rückgabe" (F.A.Z.vom 4. Oktober) enthält eine Fülle von Einzelheiten mit erheblichem Erörterungsbedarf. Ich möchte mich auf eine Anmerkung zu einem exemplarischen Denkfehler beschränken, der in der Aussage steckt:

 “. . . wie schwer auch immer das individuell erlittene Unrecht wiegen mag: Zerstörung und Leid, das Deutsche zu Recht oder zu Unrecht im Zweiten Weltkrieg erfahren haben..."

Deutschen wäre also von den Siegermächten zu Recht Unrecht angetan worden? Unrecht kann nicht zugleich Recht sein. Unrecht kann nicht zu Recht zugefügt werden. Es kann eine Sache nicht gleichzeitig richtig und falsch sein. Das Deutschen von den Siegermächten zugefügte Unrecht bleibt Unrecht und ist - wie NS-Unrecht - durch nichts zu rechtfertigen. Selbst der Mord an einem Mörder bleibt ein Mord und somit Unrecht. Bezeichnenderweise tritt dieser “Denkfehler", sei es bei ausländischen, sei es bei deutschen Politikern und Repräsentanten anderer Art, grundsätzlich nur in gegen Deutsche und Deutschland gerichteten Äußerungen auf. Wo war zu hören oder ist zu lesen, zum Beispiel Russen, Polen, Tschechen, Franzosen oder Serben sei – von wem auch immer - zu Recht Unrecht zugefügt worden? Der “Denkfehler" ist nichts anderes als der auf Dauer sicher untaugliche Versuch, sich am Eingeständnis schwerer Schuld vorbeizumogeln. Die nach gleichem Schema ablaufenden deutschen Selbstbezichtigungsbeschwörungen sind nicht nur genauso falsch; sie weisen mitunter geradezu psychotisch anmutende Wesenszüge auf.

Die andauernde einseitige Schuldzuweisung an die Deutschen und die Selbstbezichtigung durch Deutsche sind die Perpetuierung des “Denkfehlers": eine schlechte Basis für Versöhnung, Völkerverstän- digung und europäische Einigung.

Dr. Wolfgang Klein, Berlin

 

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